Nur zäher Fortschritt
23. September 2008Im Kampf gegen die Korruption liegt Deutschland weiter nur im Mittelfeld der europäischen Länder. Besser schneiden unter anderem Dänemark, Schweden, Österreich sowie Luxemburg, die Niederlande und Finnland ab. Dies zeigt der neue Korruptionsindex der Organisation Transparency International, der am Dienstag (23.09.2008) in Berlin präsentiert wurde. Schlechter als Deutschland platzierten sich unter anderem Großbritannien, Belgien, Frankreich, Polen und Spanien.
Schlechte Noten für die neuen
In der internationalen Rangliste verbesserte sich Deutschland knapp um zwei Plätze vom 16. auf den 14. Rang. Platz eins im weltweiten Vergleich belegte Dänemark zusammen mit Schweden und Neuseeland. Von 180 untersuchten Ländern schnitten Somalia, Irak und Birma am schlechtesten ab. Die USA liegen mit Japan auf Rang 18. Schlechte Noten bekamen die aufstrebenden Wirtschaftsmächte China (72.), Brasilien (80.), Indien (85.) und Russland (147.).
Umdenken nach Siemens-Skandal
Positiv hat Transparency registriert, dass in der deutschen Wirtschaft nach der Schmiergeld-Affäre bei Siemens das Problembewusstsein geschärft worden sei. Neben einer wachsenden Zahl von Informations- und Schulungsveranstaltungen hätten aufs Thema spezialisierte Beratungsangebote auffällig zugenommen.
Mittelstand mit Ausreden
Während bei den großen Unternehmen das Bewusstsein für eine Korruptionsbekämpfung langsam wachse, sei der deutsche Mittelstand davon bisher kaum berührt, sagte die Vorsitzende von Transparency Deutschland Silvia Schenk und forderte Nachbesserungen. "Der Satz 'Das machen andere auch' darf nicht mehr als Ausrede gelten", sagte sie. Es gebe mittlerweile genügend Beispiele, dass es auch ohne Bestechung gehe.
Deutschland soll UN-Konvention ratifizieren
Zudem tendiere es "so langsam in Richtung Skandal", dass die Bundesregierung die UN-Konvention gegen Korruption noch immer nicht ratifiziert habe, sagte Schenk. Mehr als 120 Ländern hätten dies bereits getan, darunter Frankreich, Großbritannien, Schweden und die USA.
Korruption kann über Leben oder Tod entscheiden
Die Vorsitzende von Transparency International, Huguette Labelle, warnte vor den Folgen von Korruption vor allem in den ärmeren Ländern. "Korruption kann hier über Leben und Tod entscheiden", sagte sie. "Was wir brauchen, ist eine Transparenz bei den Budgets, aber auch bei den Geldströmen", forderte Labelle.
Regelungen dürfe es aber nicht nur auf lokaler und regionaler Ebene geben. Gefragt seien vor allem internationale Standards bei der Korruptionsbekämpfung. (kas)