China: Mehr Erdbebenopfer
23. Mai 2008Bei dem verheerenden Erdbeben in China sind mehr Menschen ums Leben gekommen als bislang angenommen. Wie die chinesischen Behörden mitteilten, sind bei der Katastrophe vor elf Tagen fast 56.000 Menschen ums Leben gekommen. Weitere 25.000 gelten als vermisst, sagte Vizegouverneur der Erdbebenprovinz Sichuan, Li Chengyun, am Freitag (23.05.2008). Allein in seiner Provinz seien 55.239 Tote gezählt worden.
Viele sind obdachlos
Zur Zeit arbeiteten mehr als 200.000 Freiwillige im Katastrophengebiet, so der Vizegouverneur. "Wir brauchen Zelte und vorübergehende Unterkünfte", sagte Li Chengyun. Mehr als fünf Millionen Menschen seien obdachlos und müssten anderweitig untergebracht werden. Der Vizegouverneur schätzt, dass der Wiederaufbau drei Jahre dauern werde.
In Tangjiashan im Landkreis Beichuan wächst die Sorge vor einer Flutwelle. Dort hat sich in einem Fluss durch das Erdbeben ein natürlicher Damm aufgestaut. Flussabwärts haben die Behörden jetzt Evakuierungen angeordnet. Denn mit den anhaltenden Regenfällen, dem steigenden Wasserstand und den Nachbeben wächst die Gefahr, dass der Damm bricht und eine Flutwelle die weiter unterhalb gelegenen Gebiete überrollt.
Eine Lotterie, um den Opfern zu helfen
In der Stadt Dujiangyan wurden vier Funktionäre wegen Vernachlässigung ihrer Pflichten bestraft, berichtete Vizegouverneur Li Chengyun weiter. In der Stadt hatte es Klagen gegeben, dass die Behörden in den ersten Tagen nach dem Unglück unzureichend reagiert hätten.
Um Geld für die Erdbebenopfer zu sammeln, will Peking eine landesweite Lotterie einrichten. Jede Familie, die einen Angehörigen verloren hat, solle so schnell wie möglich 5000 Yuan (rund 460 Euro) erhalten, sagte der Minister für zivile Angelegenheiten, Li Xueju, laut einem Bericht der "Peking Times" von Freitag. Lotterien sind in China ein einträgliches Geschäft. 2006 brachte der Verkauf von Losen dem Staat umgerechnet rund 33 Milliarden Euro ein. (det)