Zum Wohle Frankreichs
5. Mai 2017Für Nadine Courand darf es, wie für viele Franzosen, gerne schon zum Mittagessen ein Schlückchen Wein sein. Zum gegrillten Oktopus trinkt sie einen Weißen, natürlich aus der Region Bordeaux. Die Weinindustrie ist dort der größte Arbeitgeber, auf rund 120.000 Hektar wird hier angebaut. Auch Nadine Courand und ihr Mann bewirtschaften ein kleines Weingut in Libourne, rund vierzig Kilometer von Bordeaux entfernt. In den letzten Tagen allerdings hatte sie kaum Zeit für den Wein, denn sie steckt mitten im Wahlkampf - für Emmanuel Macron und seine En Marche-Bewegung.
Er sei ein ausgesprochener Weinkenner, sagt sie, und will die Winzer in Frankreich unterstützen. In diesem Jahr zum Beispiel hat der Frost schon einigen Reben den Garaus gemacht. Für viele Weinbauern ein existentielles Problem, denn die meisten sind nicht versichert und bekommen bei Ernteausfall keinen Schadensersatz. "Wir brauchen eine Frost-Versicherung für solche Fälle, und das ist mit der EU möglich, die einen Teil der Kosten übernimmt. Deshalb ist Macron für uns der richtige Mann", sagt Nadine Courand.
Die Winzer brauchen Europa
Die Unterstützung für Emmanuel Macron ist rund um Bordeaux besonders groß. In der Region haben im ersten Wahlgang 25,88% der Wähler für ihn gestimmt. Und auch in der Weinstadt Libourne schnitt der 39-jährige mit 24,7 Prozent am besten ab, dicht gefolgt von Marine Le Pen und Jean-Luc Melenchon mit jeweils 20 Prozent .
Für die Weinbauern ist Europa als Markt enorm wichtig. Rund 30 Prozent des französischen Weins wird exportiert, mehr als die Hälfte davon nach Europa, vor allem nach Deutschland. In Zahlen waren das 2016 nach Angaben des "Global Trade Atlas" des französischen Zolls 7,9 Milliarden Euro. Ein Frankreich, das sich unter Marine Le Pen von Europa abwendet, wäre für den Weinexport ein Desaster.
Macron hingegen möchte den Export sogar noch steigern und Wirtschaftsabkommen neu verhandeln. Sein Wahlkampfleiter in der Region Gironde, Tanguy Bernard, will das den Produzenten vermitteln, denn viele fühlen sich als Verlierer der Globalisierung, sagt er. "Sie denken, sie haben keine Chance im internationalen Markt gegen die chinesischen oder chilenischen Weinproduzenten." Es gehe jetzt darum, die Leute zu erreichen, die die Vorteile der Globalisierung bisher noch nicht erkannt haben.
200 Millionen Euro pro Jahr für den Umstieg auf Bio
In den letzten Tagen vor der Wahl steht das Handy von Tanguy Bernard kaum still. Er organisiert noch ein paar letzte Veranstaltungen für En Marche, bevor es am Sonntag ernst wird. „Wir sind eine Bewegung", sagt er. Innerhalb nur eines Jahres haben sich rund 260.000 Menschen zu Emmanuel Macron bekannt.
Auch Floriane Dulubac gehört zu Ihnen. Sie hat ein kleines Geschäft im Zentrum von Bordeaux und setzt auf Bio-Produkte. Damit wäre sie eigentlich prädestiniert gewesen, in der ersten Runde den Linkskandidaten Jean-Luc Melenchon zu wählen, der im Wahlkampf für einen Wandel in der Umweltpolitik geworben hatte. Doch der war ihr zu radikal. Dass sich Macron für die Reduktion von Pestiziden im Weinanbau stark machen will, gefällt der 30-jährigen. "Das ist wichtig für die Gesundheit der Konsumenten und die Umwelt." Für die französischen Weinproduzenten "will er jedes Jahr 200 Millionen Euro zur Verfügung stellen, damit sie ihre Produktion auf Bio umstellen können, um konkurrenzfähiger zu werden", sagt die Weingut-Besitzerin Nadine Couraud.
Ein Weinkenner als Präsident
Macrons Wahlkampfteam muss jetzt noch letzte Kräfte mobilisieren, um möglichst viele Menschen von ihrem Kandidaten zu überzeugen. Doch Nadine Couraud ist zuversichtlich. "Wir hatten Präsidenten, die nichts vom Wein verstanden oder ihn sogar nicht liebten. Aber mit Macron haben wir einen ausgesprochenen Weinkenner. Und das ist unser großes Plus", sagt sie.
Wenn er am Sonntag gewinnen sollte, wird sie eine gute Flasche Wein aufmachen und anstoßen: auf den neuen Präsidenten und auf den französischen Wein.